die physische Seite von Stress: 2. Teil

wie wir Gefahrensituationen aufnehmen und verarbeiten, geschieht zunächst ohne unser bewusstes Zutun. Unser zentrales Nervensystem erhält und verarbeitet Impulse innerhalb unseres Körpers oder aus unserer Umgebung. Das geschieht unwillkürlich und unterliegt nicht unserer bewussten Kontrolle. 

Seine Aufgabe ist es, unsere innere und äußere Umgebung aufzunehmen, zu scannen und im besten Fall zu regulieren. Es entscheidet im Wesentlichen darüber, wie wohl und sicher wir uns mit uns selbst und unserer Außenwelt fühlen. Das dient einem einzigen Grund: Unser Überleben zu sichern. Bei Gefahr werden körperliche Mechanismen in Gang gesetzt: Anspannung, erhöhte Aufmerksamkeit, erhöhte Herzfrequenz, schnellere Atmung. So dass wir bestmöglich auf Gefahr reagieren können.

 

Das sympathische Nervensystem ist vor Allem für Gefahrensituationen zuständig. Es rüstet unseren Körper für Kampf oder Flucht. Dafür werden Stresshormone ausgeschüttet. So kann unser Körper für kurze Zeit hohe Leistungen erbringen.

 

In Ruhe und Entspannung ist der Parasympathikus aktiv. Der Körper kann sich regulieren. Er widmet sich dem inneren Aufbau, einem geregelten Stoffwechsel und damit unserer Gesundheit. Wir können gut schlafen und erholen uns.

 

Wenn Anspannung, erhöhte Aufmerksamkeit und hohe Leistungserbringung über zu lange Zeit einen zu großen Anteil in unserem Leben haben, wird das Gleichgewicht gestört. Stresshormone werden nicht mehr abgebaut und wir können nicht mehr regenerieren.

 

Deshalb helfen den meisten Menschen Bewegungen, wie spazieren oder schwimmen gehen, joggen, Yoga, Pilates, Kampfsport, Training im Fitnessstudio oder im Sportverein. Der Parasympathikus wird aktiviert und das Gleichgewicht wird wieder hergestellt.

 

Bis hierher beschreibe ich sehr vereinfacht die körperliche Ursache von zu viel andauerndem Stress und Möglichkeiten, gesund mit ihm umzugehen. In diesem Bereich lässt sich das System (noch)  gut regulieren. In Eigenverantwortung kann herausgefunden werden, was Spaß macht und was gut in den eigenen Alltag integriert werden kann, um ein angemessen entspanntes und gesundes Leben zu führen.

 

Gleichzeitig gibt es noch einen weiteren Aspekt im Parasympathikus. Dies ist die Erstarrung mit gleichzeitiger Übererregung bei extrem hohem Stress. 

 

 

Wenn Kinder eine starke Grenzüberschreitung erleben, die in der Regel verbunden ist mit großer Angst und ohne die unterstützende Sicherheit einer Bezugsperson, dann geschieht in den meisten Fällen das, was wir Traumatisierung nennen. 

Wenn ein Mensch traumatisiert wurde, sprechen wir von einem extrem hohen Maß an Stress. Weil die Situation, in der die Traumatisierung erfolgte, in der Regel keine Handlungsmöglichkeiten bot, kann die zur Verfügung gestellte Energie nicht genutzt werden und erstarrt im Körper. 

Ziel von Traumaarbeit ist es, dem zentralen Nervensystem zu ermöglichen, wieder ins Gleichgewicht zu kommen.

Traumaarbeit, wie ich sie verstehe, stärkt zunächst das Selbst. Um dann mit einem starken Selbst die eingeschlossenen traumatisierten Anteile zu befreien. 

 

 

 

Mein Anliegen mit diesem Text ist es,  aufzuzeigen, dass wir lernen können, uns selbst zu regulieren. Wenn wir selbst stark genug sind, sind wir nicht mehr von Menschen oder Ereignissen im Außen abhängig und können uns selbst um unsere Heilung kümmern. Wir müssen nicht mehr unsere schwierige Kindheit oder die Umstände für unsere Probleme verantwortlich machen. Und können unser Leben selbst in die Hand nehmen. Das ist dann ein wirklich erwachsenes Leben. Voller Eigenverantwortung können wir dann wirklich frei werden.

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